Koch: „Der Verein muss sich von bestimmten Fanklubs distanzieren“

„Der Verein muss sich von bestimmten Fanklubs distanzieren“

Extremismus-Experte Reinhard Koch spricht über Schein-Aussteiger der rechten Szene in Fankreisen.

Die Krawalle vom Pfingstsonntag haben die Debatte befeuert: Wie anfällig für rechtes Gedankengut sind Teile der Braunschweiger Fanszene? Rechtsextremismus-Experte Reinhard Koch, Leiter des Zentrums Demokratische Bildung, äußert sich im Interview mit Jörg Fiene.

Herr Koch, die Polizei hat gestern erneut betont: Eintracht hat keine rechtsextreme Fanszene, wie es öffentlich immer wieder diskutiert wird. Ihre Einschätzung dazu?

ir sprechen von einer sogenannten Mischszene, also über Personen, die Fußball-Fans sind, die aber auch in der rechtsextremen Szene unterwegs sind. Und zwar nicht dergestalt, dass sie Parteimitglieder oder Kader von Aktionsgruppen sind. Es sind Personen, die in der Vergangenheit in organisierten Strukturen dabei waren und einen Großteil ihre Gesinnung in ihr Privatleben mitgenommen haben, in ihren Cliquen ausleben, dies als Lifestyle pflegen. Einige aus diesem Umfeld haben wir in unserer Betreuung. Wer sagt: Es gibt hier kein Problem, der redet sich die Situation schön.

Was macht diese Mischszene aus?

Das sind Leute, die zwar sagen, dass sie in den Organisationen nicht mehr unterwegs sind. Aber zur Selbsterklärung sind sie nicht bereit. Deshalb sprechen wir auch nicht von Ausstieg. Es fehlt bei ihnen an einer Aufarbeitung zu den Fragen, warum habe ich mich in dieser Szene bewegt, warum bin ich wieder raus? Das sind Leute, die nur ein Interesse daran haben, ihr Außenbild zu tünchen, weil sie wissen, dass sie sonst nur Stress bekommen. Mit der Polizei, mit dem Verein, mit dem Arbeitgeber. Die halten nach außen den Ball flach, leben ihre Überzeugungen aber weiter.

Was kann man dagegen tun?

Dass diese Leute im Stadion keine Plakate mit Parolen hochhalten, das ist doch klar. Aber ich muss dem Problem als Verein begegnen. Nur zu sagen, im Stadion gibt es keine rechtsextremen Auswüchse, das ist zu kurz gegriffen. Ich muss schon sehr genau hinschauen, wer und was steht dahinter.

Welche Handhabe hat ein Fußball-Verein, dies zu tun?

Dass sich ein Verein positioniert und distanziert, sich ein pro-demokratisches Profil gibt, ist selbstverständlich. Das hat Eintracht auch getan. Auch das Fanprojekt hat hier Schwerpunkte gesetzt. Aber wir wissen, dass diese Personen Teil einer organisierten Fankultur sind, in denen sich diese Mischszene entwickeln kann. Da müsste der Verein ein Exempel statuieren, sich von bestimmten Fanklubs distanzieren, ihnen Privilegien streichen. Dann würden diese Strukturen auch schnell uninteressant werden für junge Menschen, die auf diesem Weg Zugang zur Mischszene finden.

Und das macht Eintracht Braunschweig nicht?

Da ist der Verein noch zu wenig aktiv.

Wenn diese Personen ihre Gesinnung nicht im Stadion ausleben, was macht sie so gefährlich für die Fanszene?

Es geht um mehr, als samstags ins Stadion zu gehen. Sie nehmen ihre Einstellung, ihre ideologische Affinität mit in die Freizeit, in andere Schnittmengen. Die Fankultur ist ihnen da wie ein Gerüst, von dem aus es relativ leicht ist, das komplette Angebot zu organisieren. Das ist wie eine Vorfeld-Organisation für die rechtsextremen Aktionsgruppen.

Von wie vielen Leuten sprechen Sie?

Das sind nicht Hunderte. Wir sprechen hier über 15 bis 20.

Vergleichsweise wenige angesichts der massiven Zahl an organisierten Eintracht-Fans.

Ganz klar, das ist mit Sicherheit kein Massenphänomen. Diese Leute dominieren nicht die Fankultur. Entscheidend wird aber sein, wie groß sind die Selbstheilungskräfte innerhalb der Fanszene gegenüber diesen Gruppen. Da muss das Fanprojekt Flagge zeigen. Wir sprechen hier über Leute, die schon lange im Geschäft sind, ein Standing in der Fanszene haben, deshalb darf man das trotz der Anzahl nicht verharmlosen.

Das Interview ist erschienen in der Print-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung vom 20.06.2013, und online am 19.06.2013 auf: www.braunschweiger-zeitung.de

Apfels Opfer-Rhetorik

„Deutschlands politischer Führer jammert wie ein Demokrat“

Nachdem Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig dem NPD-Vorsitzenden Holger Apfel ein Stadionverbot erteilt hat, schimpft dieser in einer öffentlichen Stellungnahme herum, versucht sich als Opfer darzustellen und bei Fangruppierungen anzubiedern. Doch sonderlich viel Unterstützung bekommt er nicht. Im Gegenteil: teilweise erntet er offenen Hohn und Spott aus der rechtsextremen Szene.

Von Joachim Wolf

„Sport frei? – Nicht in dieser Antifa-Republik! “ – unter diesem Titel veröffentlichte Holger Apfel in der vergangenen Woche eine Stellungnahme zum Stadionverbot gegen ihn. Darin beklagt der NPD-Vorsitzende, Opfer einer „Kampagne linker Tugendwächter“ und einer „Gesinnungszensur“ geworden zu sein. Und weiter heißt es in dem Text: „Ganz offensichtlich darf man in der heutigen Bundesrepublik linksradikaler Barrikadenbauer und Steinwerfer, ausländischer Sozialschmarotzer, Kinderschänder, Sexualstraftäter oder sonst was für ein Schwerstkrimineller sein, nur für Deutsche, die sich zu Volk und Heimat bekennen, denken sich linke < > immer wieder neue Formen der gesellschaftlichen Ausgrenzung aus. Die Gesinnungsjagd nimmt immer groteskere Ausmaße an.“

Anbiederungsversuche bei den organisierten Fußballfans

Dass sich Rechtsextremisten als unschuldige Opfer einer angeblichen „Gesinnungszensur“ darzustellen versuchen, ist dabei Teil ihrer Strategie. Ebenso, wie der Versuch, sich bei den Fußballfans und bei der organisierten Fanszene anzubiedern. […]

Der vollständige Artikel ist erschienen auf :

Aktuelle Artikel vom NDR Fernsehen und in der taz

NDR Fernsehen
Stadionverbot für Apfel löst keine Probleme
von Andrej Reisin

[…] Bei der Braunschweiger Aufstiegsfeier am vergangenen Sonntag allerdings kam es – abseits der Personalie Apfel – auch zu schweren Ausschreitungen in der Innenstadt, bei denen unter anderem 20 Polizisten verletzt wurden. […]

Der Verein verurteilte die Randale umgehend. Und Robin Koppelmann, Sprecher des Fan-Beirates der Eintracht, mutmaßte in der Braunschweiger Zeitung: „Diejenigen, die dort randaliert haben, waren keine klassischen Stadion-Fans. Vermutlich handelt es sich bei den Tätern vorwiegend um Fans, die von der Größe des Events angelockt wurden, ansonsten aber keinen Bezug mehr zur Fanszene haben und nicht zu unserem üblichen Klientel gehören.“

Diese Äußerungen entpolitisieren die Gewalt und verorten die Beteiligten erneut außerhalb der „eigentlichen“ Eintracht-Familie, nach dem beliebten Motto: „Die sind sonst nie da.“ Genau wie es schon in der Vergangenheit hieß, bestimmte Gruppen, die mit rechtsextremen Vorfällen in Verbindung gebracht werden, seien gar nicht mehr im Stadion – obwohl diese auf ihren Webseiten nach jedem Heimspiel stolz ihre Kurvenbilder präsentieren.[…]

Kompletter Artikel siehe:

+++++++++++++

Rechtsextremismus
Unerwünschter NPD-Zuschauer

Eintracht Braunschweig spricht ein Stadionverbot gegen Holger Apfel aus. Dass der NPD-Bundesvorsitzende ein Anhänger ist, soll den Verantwortlichen des frisch in die 1. Bundesliga aufgestiegenen Vereins lange bekannt gewesen sein.
von Andreas Speit

[…] Unter der Überschrift „Impressionen vom heutigen Tag“ postete Apfel, der in Sachsen die NPD-Landtagsfraktion anführt, nach dem Spiel mehrere Bilder von der spontanen Aufstiegsparty. Zu sehen ist er im Eintracht-T-Shirt, in der Hand ein Stück Rasen, jubelnd mit einer unbekannten Frau – und Arm in Arm mit Christian Hehl, ebenfalls ein NPD-Mitglied.

Weder Apfels Anwesenheit im Stadion bei diesem letzten Spiel noch die „Anfertigung bzw. Veröffentlichung des Fotos“ seien dem Verein bekannt gewesen, erklärt Eintracht Braunschweig. Hingewiesen worden war auf Apfels Facebook-Profil und die Bilder am Dienstag dieser Woche im Zusammenhang mit den Ausschreitungen rechts orientierter Hooligans (taz berichtete) […]

Kompletter Artikel siehe:

+++++++++++++

Eine stets aktuell gehaltene Presseschau findet sich in unserer Rubrik Hintergrund

Eintracht Braunschweig spricht Stadionverbot gegen NPD-Kader aus

Eintracht spricht Haus- und Stadionverbot gegen Apfel aus
Keine Duldung von rechtem Gedankengut

Am vergangenen Sonntag hat Holger Apfel, Parteivorsitzender der NPD, Landesvorsitzender der NPD Sachsen und Fraktionsvorsitzender der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, das Heimspiel von Eintracht Braunschweig gegen den FSV Frankfurt besucht und nach dem Spiel auf seiner Facebook-Seite ein Foto mit einem Rasenstück aus dem Stadion gepostet. Eintracht Braunschweig war weder der Stadionbesuch von Holger Apfel bei diesem Spiel noch die angesprochene Anfertigung, bzw. Veröffentlichung des Fotos bekannt.

„Wir distanzieren uns erneut – wie schon seit langer Zeit – von jedwedem rechten Gedankengut. Eintracht Braunschweig ist fest entschlossen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um jede Äußerung von rechtem Gedankengut im Zusammenhang mit Eintracht Braunschweig zu unterbinden. Wir werden daher auch gegenüber Herrn Apfel alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel nutzen und mit sofortiger Wirkung ein Stadion- und Hausverbot aussprechen, um ihn so dauerhaft aus dem Stadion fernzuhalten. Die Angelegenheit wurde bereits unseren Rechtsanwälten übergeben“, so Eintracht-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt.

Mittwoch, 22.05.2013

Siehe offizielle Vereinshomepage:

taz: „Rechte Hooligans feiern Aufstieg“

Neonazis in der Fußballszene
Rechte Hooligans feiern Aufstieg

Nach dem Aufstieg von Eintracht Braunschweig in die 1. Bundesliga randalieren rechte Fans in der Innenstadt.
von Andreas Speit

BRAUNSCHWEIG taz | Es flogen Flaschen, Gläser und Aschenbecher. Mit Stühlen und Tischen griffen in der Nacht zu Pfingstmontag militante Eintracht-Braunschweig-Fans in der Innenstadt Polizeibeamte an. „Randalierer“ nennt Polizeipressesprecher Joachim Grande die Gruppe gegenüber der taz, „nicht politisch einzuordnen“. „Rechte Hooligans“ nennt die „Initiative gegen rechte Hooligan-Strukturen“ die Angreifer.[…]

Siehe: