Pressemitteilung 9. Oktober 2012

Am 6. Oktober begleiteten wir, die Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen, die Gruppe Ultras Braunschweig (UB) zum Heimspiel der Eintracht gegen den VfL Bochum, um uns mit der in der Vergangenheit mehrfach von rechter Gewalt betroffenen Gruppe zu solidarisieren.

Im Folgenden wollen wir zunächst kurz den Ablauf des Spiels und der Vorfälle schildern:
Gleich nach dem Betreten des Stadions am Eingang Guntherstraße wurde unsere ca. 90 köpfige Gruppe mit Drohungen wie „kommt doch her ihr Zecken!“ oder „ihr kommt hier nicht lebend raus!“ angefeindet. Diese Morddrohung wurde von keiner unbekannten Person getätigt, sondern von einem ehemaligen Vorsänger der Fankurve, der im Stadion an einem eigenen Stand Fanartikel verkauft. Später nutzte dieser seine Privilegien, um die Morddrohung aus dem Innenraum vor der Nordkurve heraus mit einer Geste („Kehle durchschneiden“) noch einmal zu verdeutlichen. Dass diese Drohung ernstzunehmen ist, sollte sich im weiteren Verlauf des Spieltages zeigen.

Als wir schließlich im Block 15 Platz nahmen, kam das Fanprojekt mit Ordnungsdienst und dem Verein auf uns zu, um unserem Personenkreis mitzuteilen, dass sie Übergriffe auf uns befürchten und versuchen werden Maßnahmen dagegen zu ergreifen. In der Halbzeit wurde schließlich das Tor zum Bereich der Nordkurve geschlossen und weitere Ordner*innen hinzugezogen, da sich hinter der Gegengerade eine Gruppe rechter Hooligans versammelt hatte und ein Angriff drohte.
Im weiteren Verlauf war zu beobachten, dass es nach wie vor teils enge Verbindungen zwischen Ordnungsdienst und rechten Hooligans gibt. So musterten während der zweiten Halbzeit einige Ordner und rechte Hooligans gemeinsam Personen der Gruppe Ultras Braunschweig am Getränkestand. Das unterstreicht erneut die in unserer Broschüre „Kurvenlage“ dargelegte Kritik, dass es im Eintracht-Stadion auch ein Problem mit rechten Ordnern gibt.

Nach Spielende mussten wir mindestens 30 Minuten in der Nordkurve warten. Grund hierfür war (wie von der Polizei bestätigt) eine gewalttätige Ansammlung von ca. 40 rechten Hooligans an der Shelltankstelle, die versuchten durch die Polizeiabsperrung zu brechen, um uns anzugreifen. Als dieses nicht gelang, lieferten sich diese Auseinandersetzungen mit der Polizei, unter anderem schmissen sie dabei mit Steinen und anderen Gegenständen.
Nach einiger Zeit wurden wir dann über den Gästeparkplatz von einem Shuttlebus in einen anderen Stadtteil gefahren und somit aus der bedrohlichen Situation gebracht.

Eigentlich also genügend Gründe vom Verein eine diesbezügliche Stellungnahme zu erwarten. Doch was tut der Verein?
Bisher gab es seitens des Vereins nur eine kurze und oberflächliche Stellungnahme[1] vom gestrigen Tage auf der Vereinshomepage. Sie benennt weder klar die Problematik rechter Strukturen innerhalb von Teilen der Fanszene, noch geht sie auf den Inhalt der Infobroschüre („kurvenlage – rechte Aktivitäten in der Fanszene von Eintracht Braunschweig“) ein, die zwei Tage zuvor erschienen und wesentlicher Bestandteil der momentanen Diskussion ist. Stattdessen weichen sie einer ernsthaften Auseinandersetzung aus. Menschen, die sich klar gegen Nazis positionieren, werden in der Stellungnahme als unliebsame Störer*innen des Vereinsfriedens dargestellt. So wird der Gruppe Ultras Braunschweig und den sie begleitenden Eintrachtfans vorgeworfen, den Verein als eine „politische Plattform missbrauchen“ zu wollen. Auf diesem Wege wird den durch rechte Gewalt Betroffenen die eigentliche Schuld für die eindeutig von rechten Hooligans ausgehenden Angriffe zugewiesen. Durch solch eine Aussage wird jedwedes Engagement gegen Rechts behindert und dessen Notwendigkeit verneint.
An dieser Stelle würde es uns interessieren, was an unserer Anwesenheit und dem im Stadion gezeigten Transparent „Keine Eintracht mit Nazis!“ rufschädigend und „missbräuchlich“ sein soll. Nach unserer Vorstellung sollte ein derartiger Satz zum Grundkonsens von Mitarbeiter*innen des Vereins, des Fanprojekts und im besten Falle auch der Fanszene bzw. den übrigen Zuschauer*innen gehören.

Darüber hinaus irritiert die vom Verein vorgenommene Verknüpfung vom sportlichen Erfolg der Eintracht mit der von uns erfolgten Thematisierung rechter Strukturen in Teilen der Fan- bzw. speziell Hooliganszene. Dass in diesem Zusammenhang gleich noch Unterstützer*innen „aus anderen Städten“ beschuldigt werden dem Verein schaden zu wollen, ist ein seltsames Zeichen. Offensichtlich möchte man bei Eintracht lieber unter sich bleiben, Gäste und kritische Eintrachtfans sind scheinbar nicht gern gesehen.

  • Wir fordern deshalb, dass der Verein in diesem Kontext nicht tatenlos bleibt angesichts der geäußerten Morddrohungen durch eine mit Verkaufsrechten und weiteren Privilegien versehene Person aus der Fanszene.
  • Der Verein sollte sich klar gegen die rechten Hooliganstrukturen und die von ihnen ausgegangenen Übergriffe, wie jene am vergangenen Samstag, positionieren und das Problem beim Namen nennen. Wir stellen uns die Frage, wieso an diese Stelle nicht ausdrücklich Stellung gegenüber den beteiligten Gruppen der rechten Hooliganszene, u.a. Alte Kameraden und Kategorie Braunschweig, bezogen wird?

Was für Personen in diesen Zusammenhängen aktiv sind und was für eine Ideologie sie vertreten, wird in unserer Broschüre Kurvenlage ausführlich beleuchtet.

Uns geht es dabei ausdrücklich nicht darum, den Verein Eintracht Braunschweig und den Großteil seiner Anhänger*innen in der Öffentlichkeit in Misskredit zu bringen. Wie von uns bereits mehrfach geäußert kann Eintracht Braunschweig nichts dafür, dass eben auch Nazis Fans diese Vereines sind. Er kann nur etwas dafür, wenn er diesen nicht offensiv begegnet und durch eigenes Engagement klar macht, dass sie nicht erwünscht sind.

Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen


Fußnoten


[1] Eintracht Braunschweig zur Publikation „kurvenlage“:
http://www.eintracht.com/eintracht/aktuelles/news/allgemein/einzelansicht/?news=8777&cHash=7d397fdf9a47a05608da527e933bb93c