Wolfenbüttel: Rechte Propaganda mit Graffitis und Stencils
Ein Graffiti mit einer Fahne in den Farben des “Deutschen Reiches”, selbstgemachte Aufkleber im Stencil-Stil, die vor einem “Volkstod” warnen und auf denen Kürzel wie “NS” und “FK WF” zu lesen sind und Aufkleber, die z.B. zum “Tag der deutschen Zukunft”, einem alljährlichen Aufmarsch der norddeutschen Neonazis der in diesem Jahr in Wolfsburg stattfinden soll, aufrufen – Seit einigen Monaten tritt in Wolfenbüttel eine neue neonazistische Gruppierung in Erscheinung, die sogenannten “Freien Kräfte Wolfenbüttel” (FK WF).
Hinter dieser Gruppierung, die Teil des regionalen Zusammenschlusses “Aktionsbündnis 38″ und der “Freien Kräfte Niedersachsen Ost” ist, stehen 3-4 Personen, die teilweise der Ultraszene aus der Südkurve von Eintracht Braunschweig angehören und seit einiger Zeit insbesondere mit den Neonazis aus der “Aktionsgruppe 38″ in Verbindung stehen. Dazu gehört zum Beispiel Simon Pocinosznow und Jeffrey Homann. Auch der Bassist der aufgelösten Wolfenbütteler Band “Freigänger” bewegt sich in diesem Umfeld.[…]
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Am Samstag, den 23. März 2013, fand in der Sporthalle der IGS Franzsches Feld der bereits zweite „Keine Eintracht mit Nazis“-Aktionstag mit Fußballturnier statt. Den ganzen Tag über folgten rund 350 teilnehmende Spieler*innen und Besucher*innen dem Aufruf der Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen, der DGB-Jugend, der Schüler*innenvertretung der IGS Franzsches Feld und Ultras Braunschweig.

„Wir sind mit dem Tag mehr als zufrieden. Das Turnier diente nicht nur zum Vernetzen für ein breites Bündnis gegen die Umtriebe rechter Hooligans, sondern brachte allen Besucher*innen jede Menge Spaß in gemütlicher Atmosphäre.“, merkte Martin Schmidt im direkten Anschluss an das Turnier an. Aber nicht nur die zum Teil spannenden und ansehnlichen Spiele, sondern auch die Vorträge „Wege zu einem besseren Fußball“ der AntiDiskriminierungs-AG von Werder Bremen sowie „Rechte Gewalt beim Fußball am Beispiel von Alemannia Aachen“ und ein Kino mit diversen TV-Beiträgen zum aktuellen Diskurs um Eintracht Braunschweig, gestalteten den Tag.
Auch die Ausstellung der aktuellen Chronologie der Aktivitäten und Übergriffe durch rechte Hooligans zeigte auf, welch großer Bedrohung sich antifaschistisch positionierende Personen im und um das Eintracht-Stadion noch immer ausgesetzt sind. Das spiegelte auch ein Vorfall im Turnierverlauf wider: Eine kleine Gruppe Personen, die auf dem Weg zur Veranstaltung waren, wurden in der Nähe des Veranstaltungsortes von mehreren teils vermummten Personen angegriffen.[1] (Siehe Bericht im Anschluß)
Insgesamt 16 Teams traten während des Turnierverlaufs in zwei Gruppen gegeneinander an. Viele Eintracht-Fans und andere Gäste vertrieben sich die Zeit zwischen den Spielen und Vorträgen an den Info-Ständen oder nutzten das vegane Essensangebot. Vertreter*innen des Vereins und des unabhängigen Fanprojektes konnten wir an diesem Tag leider nicht begrüßen.
Der Aktionstag endete im Nexus mit dem „Keine Eintracht mit Nazis“–Konzert in der bereits dritten Auflage. „Mit diesem Aktionstag konnten wir weiter auf die Problematik aufmerksam machen. Auch in Zukunft wird es weitere Aktionen der Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen geben. Wir wollen keine Eintracht, bei der sich Nazis ungestört bewegen und ihre menschenverachtende Ideologien in die Öffentlichkeit tragen können sowie Andersdenkende bedrohen und körperlich angreifen.“ rundete Martin Schmidt den Aktionstag ab.
Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen
[1]
Angriff auf Besucher*innen auf dem Weg zum antirassistischen Fußballturnier in Braunschweig
Gegen 14:30 Uhr wird eine kleine Gruppe Personen, die auf dem Weg in Richtung Veranstaltungsort in der Grünewaldstraße sind, in unmittelbarer Nähe von teilweise Vermummten angegriffen. Zwei heranstürmende jugendliche Angreifer bedrängen zwei Personen aus der Gruppe durch Schubsen und fordern die männliche Person der Gruppe auf „zu laufen“. Zusätzlich bekommt die aggressive Gruppe zu diesem Zeitpunkt Unterstützung durch drei weitere dazugehörige Männer(ebenfalls vermummt), die direkt dazustoßen. Die nun flüchtende Person macht durch Rufe auf die bedrohliche Situation aufmerksam, sodass die nochmals gewachsene Anzahl an Angreifern nach einiger Zeit ablassen.
Im unverzüglichen Nachgang zu dieser gewalttätigen Verfolgung wird von Augenzeug*innen beobachtet, wie etwa zehn am Angriff Beteiligte in PKW’s steigen und die Szenerie verlassen. Fünf weitere Personen aus der gewaltsamen Gruppe entfernen sich zu Fuß aus dem Gebiet. Wie berichtet wird, steigt die Anzahl der Angreifenden bis zum Ende auf annähernd 15 überwiegend Vermummte. Einer der durch Augenzeug*innen Erkannten ist ein Mitglied der Eintracht-Fangruppe Daltons Braunschweig. Die teils jungen Mitglieder der Daltons Braunschweig werden in der Initiativen-Broschüre kurvenlage auf Seite 37 kurz behandelt.
Fußballfans zeigten Flagge gegen Rechts
Braunschweig. 300 Spieler traten am Samstag beim zweiten anti-rassistischen Fußballturnier gegeneinander an.
Von Katrin Bölstler
So farbenfroh sieht die Turnhalle der IGS Franz’sches Feld selten aus: An den Wänden bunte Banner, das Spielfeld zur Hälfte abgetrennt und in eine gemütliche Sessel-Landschaft verwandelt.
Während in der hinteren Hallenhälfte verschiedene Mannschaften zum Klang lauter Reggae-Musik gegeneinander kickten, sitzen im vorderen Teil Dutzende junger Menschen quatschend und essend auf gebrauchten Sofas.
Ganz klar: Beim zweiten anti-rassistischen Fußballturnier war der Turniersieg nicht Haupt-, sondern Nebensache. Lorenzo Poli, Jugendsekretär der DGB-Jugend Braunschweig und einer der Mitorganisatoren, erklärt: „Natürlich geht es hier heute auch um Fußball, denn wir sind alle Fußballfans. Das Turnier ist aber vor allem eine Plattform für Menschen, die sich gegen Rechts engagieren, um sich kennenzulernen und zu vernetzen“.
Die Botschaft des heutigen Aufeinandertreffens: Im Kampf gegen Rechts bist du nicht allein. Eine wichtige Botschaft für all jene, die schon einmal von rechten Hooligans oder Nazis bedroht wurden – und das sind von den Anwesenden nicht wenige. […]
„Fußball ist ein offener Sport“
Mit einem „antirassistischen Turnier“ setzte die DGB-Jugend ein Zeichen gegen Rechts
Von Birgit Leute
Braunschweig. Fußball als Happening: Die DGB-Jugend hatte am gestrigen Sonnabend zu einem „antirassistischen Turnier“ eingeladen – ein Zeichen gegen die wachsende Hooligan-Szene.
Übergriffe im Stadion, in der Straßenbahn, in Clubs: Marco Lovkoviz hat bereits mehrfach Erfahrungen mit der rechten Hooligan-Szene in Braunschweig gemacht. „Es ist noch nicht so akut wie in Dresden oder Rostock, aber die Szene ist doch deutlich präsenter als in anderen westdeutschen Städten“, zieht das Mitglied der Ultras Braunschweig Vergleiche zu Bremen und Hannover. […]
In unserer Blog-Rubrik Hintergrund aktualisieren wir laufend themenbezogene Medienartikel.
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Samstag, 23. März 2013
IGS Franzsches Feld, Grünewaldstraße 12, Braunschweig
Wege zu einem besseren Fußball – Das Beispiel AntiDiskriminierungs-AG bei Werder Bremen
Zeit: 13:00 – 14:00 Uhr
Die AntiDiskriminierungs-AG des SV Werder Bremen ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Fans & Ultras und wird durch das Fanprojekt unterstützt. Sie hat sich als Ziel gesetzt im Stadion antidiskriminierende Arbeit zu leisten. Für diese Arbeit gewann die Bremer Fanszene bereits 2008 den Julius-Hirsch-Preis.
In dem Vortrag werden die Referent_innen über die Zusammensetzung der AG, deren Konzepte und ihre Praxis berichten, sowie die Chancen und Grenzen ihrer Arbeit erläutern.
Im Anschluss wird es Raum für Diskussionen geben, eine der Fragestellungen wird hierbei sein: „Ist eine solche Arbeitsgruppe bei Eintracht Braunschweig ebenfalls möglich?“
Rechte Gewalt beim Fußball am Beispiel von Alemannia Aachen
Zeit: 16:00 – 17:00 Uhr
„Fanforscher Gerd Dembowski steht am Rand des Blocks und spricht von „einem schwarzen Tag für die demokratischen Verhältnisse“. Martin Endemann vom „Bündnis Aktiver Fußball-Fans“ (BAFF) wählt ähnliche Worte. Am Beispiel Aachen könne man gut sehen, was passiert, wenn einer Gruppe, die sich offen gegen rechts positioniert, niemand zur Hilfe kommt. „Sie geben auf, und das kann ich gut verstehen“, sagt Endemann, der kritisch in die Zukunft blickt: „Hier wird ein erschreckendes Signal gesendet: Es lohnt sich, andere Fans zu bedrohen, zu jagen und zu verprügeln.“ (Spiegel Online, 13.01.2013)
Als am Samstag den 12. Januar 2013 die Gruppe Aachen Ultras ihr letztes Spiel besuchte, war dies ein Zeichen von Resignation, in der Auseinandersetzung mit den rechten Hooligans rund um Alemannia Aachen. In dem Vortrag soll sich der Frage gewidmet werden, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass über einen solch langen Zeitraum rechte Hooligans ungestört eine derartige Dominanz in der Fanszene etablieren konnten. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu rechten Übergriffen und doch wurde weder von Seiten des Vereins, noch der Stadt oder der staatlichen Organe interveniert. Welche Fehler wurden dort begangen und wie ist es zu vermeiden, dass es in anderen Städten vergleichbare Entwicklungen gibt?